Mit dieser Frage beschäftigte sich der 43. BREAKFAST TALK im Rahmen der Quantum Effects auf der Messe Stuttgart. Zu Gast war Dr. Katrin Kobe, CEO von Bosch Quantum Sensing. Die promovierte Physikerin, Unternehmerin und Strategin gab den Teilnehmenden einen faszinierenden Einblick in die Chancen, Herausforderungen und wirtschaftliche Bedeutung der Quantensensorik.
Quantentechnologien gelten als Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Insbesondere die Quantensensorik eröffnet neue Möglichkeiten in der Medizintechnik, Navigation, Elektromobilität und industriellen Steuerung. Sensoren der neuen Generation können kleinste Magnetfelder mit einer Präzision messen, die mit klassischer Sensorik nicht erreichbar ist.
Für Dr. Katrin Kobe steht fest: Deutschland und Europa verfügen über hervorragende Voraussetzungen, um auf diesem Gebiet eine internationale Führungsrolle einzunehmen. Forschungseinrichtungen, innovative Unternehmen und eine starke industrielle Basis bilden dafür ein vielversprechendes Fundament. Nun geht es darum, aus technologischem Vorsprung wirtschaftlichen Erfolg zu machen.
Die ersten Früchte können geerntet werden
Besonders anschaulich beschrieb Dr. Katrin Kobe den aktuellen Entwicklungsstand mit dem Bild einer Obstplantage:
Der Baum ist gepflanzt. Die Wurzeln sind stark. Die ersten Früchte können geerntet werden.
Bereits heute entstehen konkrete Anwendungen. Die Quantensensorik kann beispielsweise neue Formen der Navigation ermöglichen, die unabhängig von GPS funktionieren. In der Medizin können hochpräzise Magnetfeldmessungen zur berührungslosen Diagnostik beitragen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten liegen in der Batterieanalyse für die Elektromobilität sowie in industriellen Fertigungs- und Steuerungsprozessen.
Gleichzeitig warnte Dr. Katrin Kobe davor, sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. Der internationale Wettbewerb nimmt an Geschwindigkeit zu. Vor allem die USA und China investieren intensiv in die Entwicklung und Kommerzialisierung von Quantentechnologien.
Für Deutschland und Europa stellt sich deshalb eine strategische Frage:
Werden wir lediglich Pioniere der Erkenntnis bleiben oder gelingt es uns, wissenschaftliche Führung in industrielle Stärke zu übersetzen?
Technologische Führung braucht ein starkes Ökosystem
Innovation entsteht nicht allein durch exzellente Forschung. Erfolgreiche Wertschöpfung benötigt ein funktionierendes Zusammenspiel aus Wissenschaft, Unternehmen, Finanzierung, Fertigung, Kunden und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.
Dr. Katrin Kobe plädierte deshalb für mehr unternehmerischen Mut und stärkere Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen. Unternehmen sollten auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten in Zukunftstechnologien investieren.
Von der Politik erwartet sie bessere Bedingungen für privates Wagniskapital, weniger bürokratische Hürden und eine gezielte Förderung vorhandener technologischer Stärken. Staatliche Mittel sollten nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sondern dort eingesetzt werden, wo Deutschland und Europa bereits über besondere Kompetenzen verfügen.
Über allem steht der Appell, die eigene Innovationskraft selbstbewusster zu vertreten. Deutschland und Europa besitzen starke Forschungslandschaften, erfolgreiche Industrieunternehmen und hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Diese Voraussetzungen gilt es entschlossen zu nutzen.
Die Quantenpioniere von morgen
Eine besondere Rolle spielten beim 43. BREAKFAST TALK die zahlreich anwesenden Studierenden der Hochschule Karlsruhe. Mit dem Bachelorstudiengang Angewandtes Quantencomputing bildet die Hochschule zukünftige Fachkräfte für eine Technologie aus, die Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern kann.
Im Bild der Quantenbaum-Plantage sind sie die Gärtnerinnen und Gärtner von morgen: Menschen, die neue Technologien entwickeln, in Anwendungen übertragen und zur Marktreife bringen werden.
Im Anschluss an den BREAKFAST TALK präsentierte die Hochschule Karlsruhe zudem ihren neuen Quantencomputer und gab Einblicke in dessen zukünftigen Einsatz in Lehre und Forschung.
Quantensensorik – Made in Germany
Der Impuls von Dr. Katrin Kobe machte deutlich: Die wissenschaftlichen und industriellen Voraussetzungen sind vorhanden. Entscheidend ist nun, den Transfer in marktfähige Produkte zu beschleunigen und die entstehende Wertschöpfung in Deutschland und Europa zu halten.
Dafür braucht es Mut, Investitionen, Kooperationen und den gemeinsamen Gestaltungswillen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.
Der Anspruch für die kommenden Jahre ist deshalb ebenso ambitioniert wie folgerichtig:
„Quantensensorik – Made in Germany.“
Dank an unsere Partner
Der 43. BREAKFAST TALK wurde gemeinsam von Caemmerer Lenz und swsp transform veranstaltet und fand im Rahmen der Quantum Effects auf der Messe Stuttgart statt.
Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Katrin Kobe für den inspirierenden Impuls und bei der Messe Stuttgart sowie unseren Partnern TechnologieRegion Karlsruhe, Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald und DIE FAMILIENUNTERNEHMER für die Unterstützung dieses besonderen BREAKFAST TALKS.
Austausch schafft Orientierung
Seit 2015 laden Caemmerer Lenz, die wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Kanzlei für Unternehmer und Institutionen, und swsp transform, die Strategieberatung für Veränderungsprozesse und Zukunftsgestaltung, zum Breakfast Talk ein.
Im Mittelpunkt stehen inspirierende Persönlichkeiten, aktuelle Themen und der vertrauensvolle Austausch von Menschen, die Verantwortung tragen und Zukunft gestalten wollen.
Der Breakfast Talk ist dabei bewusst mehr als eine Vortragsreihe: Er ist ein Ort für Begegnungen, Perspektivwechsel und neue Ideen.










